Mehr vom Herzen: Die Koronargefäße zur Selbstversorgung und die Herzaktion mit den 4 Phasen (Anspannung und Austreibung = Systole, Entspannung und Füllung = Diastole).
Selbstversorgung des Herzen: Die Koronargefäße
Die Koronararterien [Koronar = Herz; aus dem Griechischen; "die Krone", lateinisch corona] genannt, versorgen die Zellen des Herzens mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die Koronararterien gehen von der Aorta unmittelbar nach der Aortenklappe ab.
Es gibt eine linke (Arteria coronaria sinistra, kurz LCA) und eine rechte Arterie (Arteria coronaria dextra, kurz: RCA). Die linke Koronararterie zieht zur Vorderseite des Herzens, wo sie sich in einen vorderen (Ramus interventricularis anterior, kurz: RIVA oder englisch: left anterior descending, LAD), welcher vorne zwischen linker und rechter Herzkammer zur Herzspitze zieht, und einen seitlichen Ast (Ramus circumflexus, kurz: RCX) teilt.
Der linke Ast mit seinen Aufzweigungen versorgt Herzvorder- und Seitenwand (linker Vorhof, linke Kammer und den größten Teil der Herzscheidewand), der rechte mit seinem Hauptast Ramus interventricularis posterior (kurz: RIVP oder englisch: posterior descendent artery, PDA) ist für die Hinterwand, den rechten Vorhof mit Sinusknoten, ein Stück der Herzscheidewand mit dem AV-Knoten sowie die rechte Kammer zuständig. Teilweise werden auch linke Kammeranteile vom rechten Ast versorgt.
Warum die Abkürzungen? Nun, Mediziner sind schreibfaul und denken sich für alle möglichen Dinge eine Abkürzung aus. Klinisch bedeutsam werden diese Abkürzungen bei einer Bypass-OP oder dem Herzkatheter.
Das kranzförmig um das Herz angeordnete Arteriensystem ist leider sehr anfällig für Erkrankungen. (Daher auch die Bypass-Eingriffe, die Koronar-Stents und die Ballondilatation durch Herzkatheter.)
Die ableitenden Venen verlaufen parallel zu den Arterien und münden gemeinsam als Koronarsinus im rechten Vorhof.
Herzzyklus
Vorhöfe und Kammern sind durch das Herzskelett elektrisch voneinander isoliert . Daher unterscheiden wir auch einen Vorhof- und einen Kammerzyklus.
Bei Kontraktion der Vorhofmuskulatur strömt Blut in die Kammern, deren Muskulatur sich (sehr) kurz darauf ebenfalls kontrahiert und das Blut in den Lungen- bzw. Körperkreislauf auswirft. (Würden sich Vorhöfe und Kammern gleichzeitig zusammenziehen, hätten wir keine ausreichende Befüllung der Herzinnenräume, und somit auch nichts zum auswerfen.)
Während sich die Kammern entleeren, befüllen sich die Vorhöfe zeitgleich wieder mit Blut, das ihnen aus den Lungenvenen und denen des Körperkreislaufes (V. cava inferior und superior = untere und obere Hohlvene) zuströmt. Zur Kammerentleerung (= Blutauswurf) kontrahiert sich die Kammermuskulatur und zieht das Herzskelett nach unten — dadurch werden die Vorhöfe geweitet, das Blut strömt durch Sog ein.
Dann strömt das Blut aus den Vorhöfen in die jetzt nicht mehr angespannten (erschlafften) Kammern, und zwar nicht nur durch Druck (Muskelkontraktion), sondern vor allem wieder durch Sog.
Dieser entsteht einerseits durch die Erschlaffung (und damit Erweiterung) der Kammern, andererseits durch eine Verschiebung des Herzskeletts nach oben, in Richtung der Vorhöfe. In der zweiten Befüllungsphase der Kammern helfen die Vorhöfe mit, indem sich ihre Muskulatur kontrahiert. Nun sind die Kammern mit Blut gefüllt und bereit zum Auswurf, während sich die Muskulatur der Vorhöfe wieder entspannt.
Das Spiel beginnt wieder von vorn. Etwa 60 – 80 mal pro Minute, 3.600 – 4.800 mal pro Stunde, 86.400 – 115.200 mal pro Tag, 31.536.000 – 42.048.000 pro Jahr. Und nun rechnet das mal hoch auf Euer bisheriges Lebensalter…
Die Phase der Kontraktion umfasst die Anspannung und die Austreibung (Auswurf) und wird Systole genannt. Sie dauert etwa 0,25 Sekunden.
Die Phase der Erschlaffung (Entspannung und Befüllung) ist die Diastole. Sie ist abhängig von der Frequenz, also dem Puls. Bei einer Frequenz, die genau zwischen 60 und 80 liegt, also von 70, beträgt die Diastole etwa 0,55 Sekunden.
Hier noch mal die Phasen der Herzaktion als Tabelle:
Erregungsbildung & -leitung
Während andere Muskeln einen Nervenimpuls brauchen, um sich zu kontrahieren, sorgt das Herz selbst für seine Impulse; es ist autonom. Die Zellen des Myokards sind spezialisiert auf autonome (unabhängige) Erregungsbildung und -leitung.
Dazu mehr in einem weiteren Eintrag…
Zum Thema:
Herzensangelegenheiten [1]: Lage, Innenräume, Klappen, Herzbeutel




Wow, echt super gut….. Danke!