Unser Herz ist im Normalzustand etwa faustgroß (die Faustregel) und um die 300 g schwer. Es ist der zentrale Motor des Herz-Kreislauf-Systems (kardiovaskuläres System). [kardio = Herz, vaskulär = Gefäß.]
Topographie (Lagebeziehung)
Das Herz liegt im Thorax (Brustkorb) im sog. Mediastinum. In natura befinden sich 2/3 in der linken Hälfte des Thorax, 1/3 in der rechten. (Die Längsachse des Herzens verläuft schräg von rechts-hinten-oben nach links-unten-vorne. Die Herzspitze stößt auf Höhe des 5. Zwischenrippenraums gegen die vordere Thoraxwand; dort ist es bei Kontraktion des Herzmuskels fühlbar (Herzspitzenstoß).
Begrenzt wird es
- nach hinten von der Speiseröhre (Ösophagus) und der Aorta
- nach links und rechts von den Lungenflügeln
- nach vorn vom Sternum (Brustbein)
- nach unten vom Zwerchfell
Herzinnenräume
Das Herz besteht aus 2 Hälften (links & rechts). Dort finden wir jeweils einen kleineren, weniger muskulären Vorhof (Atrium), in den das Blut hineinfließt, und eine größere, muskuläre Kammer (Ventrikel), welche das Blut aus dem Herzen auswirft. Zuvor muss das Blut natürlich vom Vorhof in die Kammer übertreten. Insgesamt haben wir also 4 Herzinnenräume.
Beide Hälften werden von der Herzscheidewand (Septum) begrenzt und sind somit voneinander abgegrenzt.
Aber das ist nicht immer so: Vor der Geburt hat das werdende Kind noch einen Kurzschluss in der Vorhofscheidewand (Foramen ovale). Da der Sauerstoff noch über die Plazenta von der Mutter kommt und die Lunge nicht arbeiten muss (wäre im Fruchtwasser schwimmend auch ein echtes Kunststück!), wird das Blut, welches später einmal die Lungen passieren wird, umgeleitet in den Körperkreislauf. Das Loch verschließt sich i.d.R. sofort nach der Geburt.
Die sog. Herzohren haben bis jetzt noch nicht erwähnt. Dabei handelt es sich um Aussackungen beider Vorhöfe zur Ausfüllung der Nischen zwischen dem Herzen & seinen großen Gefäßstämmen. Ihr seht, es wird kein Platz verschwendet, was jedoch u.U. auch Nachteile haben kann: Im Herzen bilden sich Blutgerinnsel am häufigsten in den Herzohren. Schließlich strömt das Blut in diese kleinen Nischen und erlebt dabei Verwirbelungen; bei erhöhter Blutgerinnungsneigung führt das zu Thrombenbildung.
Klappen
Damit das Blut aus den Venen in die Vorhöfe und nach Passage der Kammern in die Arterien fließen kann, haben die Innenräume einen Eingang und einen Ausgang. Um den Blutfluß in dieser Richtung zu gewährleisten, sind Klappen eingebaut, die sich je nach Bedarf öffnen und schließen.
Die Klappen zwischen den Vorhöfen und den Kammern
heißen passenderweise Atrio-Ventrikularklappen (kurz: AV-Klappen). Da sie (wie Segel am Tauwerk) an Muskelsehnen befestigt sind, um nicht in die Vorhöfe zurückzuschlagen, werden sie auch Segelklappen genannt.
Links finden wir die Mitralklappe (Mitralis), rechts die Trikuspidalklappe (Tricuspidalis). Die Aufhängung an den Sehnenfäden verhindert, dass die Klappen in die Vorhöfe zurückschlagen, sobald sie Druck standhalten müssen.
Ach ja, da war ja noch etwas: Wo Sehnen sind, sind auch Muskeln nicht weit. Es gibt extra für die Segelklappen kleine Muskeln (Papillarmuskeln), die als Vorstülpungen des Herzmuskels in die Herzkammern durch ihre Kontraktion für einen festen Verschluss der Klappen sorgen. Die Papillarmuskeln kontrahieren dabei nicht losgelöst vom Rest der Kammermuskulatur, sondern gemeinsam mit diesen. Für Öffnung und Verschluss der Segelklappen sind aber einzig die Druckdifferenzen zwischen Vorhöfen und Kammern zuständig.
Die Segel- (Atrioventrikular-, AV-) Klappen sind Bindegewebsplatten, die mit Endocard, der innersten Schicht der Herzwand, bezogenen sind. [Zur Herzwand kommen wir gleich.]
Diese Klappen sind in einem Gerüst, das ebenfalls aus Bindegwebe besteht, aufgehängt. Da Bindegewebe keinen Strom leiten kann, isoliert diese Klappenebene (auch Herzskelett oder aufgrund ihrer Funktion im Rahmen der Befüllung Ventilebene genannt) Vorhöfe und Kammern elektrisch gegeneinander. (Warum das wichtig ist, beleuchten wir gleich.)
Die Klappen am Ausgang des Herzens
also in den Kammern, werden Taschenklappen genannt. Diese dünnen Herzklappen sind, den Klappen des venösen Systems vergleichbar, in die innere Schicht der Gefäßwand (Intima) eingearbeitet und werden vom zurückströmenden Blut gefüllt, blähen sich auf und verschließen so die Öffnung.
Es gibt zwei Taschenklappen: Rechts die Pulmonalklappe, links die Aortenklappe. Jede der beiden Klappen hat 3 halbmondförmige Taschen (dieser Form verdanken sie auch den Beinamen Semilunarklappen).
Auch diese Klappen sind in das Herzskelett integriert.
Alle Klappen (Taschen- und Segelklappen) liegen auf einer Ebene.
Wandbau
Die Herzwand besteht aus drei Schichten:
- Innen, zu den Herzinnenräumen gerichtet, befindet sich das Endokard, die Herzinnenhaut. Es kleidet den gesamten Innenraum aus und überzieht, wie oben schon erwähnt, auch die Herzklappen.
- Das Myokard, die Herzmuskelschicht, liegt direkt darunter und ist an verschiedenen Stellen des Herzens unterschiedlich dick, je nachdem, gegen welchen Druck es anarbeiten muss. Im Bereich der Vorhöfe ist sie dünn, im Kammer-Bereich um einiges dicker, und auf der Seite, die den Widerstand zum Körperkreislauf hin überwinden muss — also links — am dicksten.
- Das Epikard schließlich liegt dem Myokard außen auf und wird daher auch Herzaußenhaut genannt.
Herzbeutel
Um das Herz zwar einerseits an Ort und Stelle zu verankern, ihm andererseits jedoch die Kontraktion und damit die Pumparbeit zu ermöglichen, muss es verschieblich aufgehängt sein.
Zu diesem Zweck ist das Epikard als äußere Haut wiederum von einer zweischichtigen serös-derben Haut überzogen, dem Perikard. Dabei liegt dem Epikard die seröse Schicht (also die, die Flüssigkeit absondert) direkt auf (Pericardium serosum), zum umgebenden Gewebe hin ist zeigt eine derb-bindegwebige Schicht mit kollagenen Fasern (Pericardium fibrosum).
Diese ganz außen liegende, derb-bindegewebige Schicht ist in der Umgebung verankert. (Das Herz ist somit befestigt.)
Wie bei serösen Häuten üblich, gibt es das viszerale Blatt (Lamina visceralis), die als Epikard dem Herzen direkt anliegt. Das parietale Blatt (Lamina parietalis) ist fest mit der derb-bindegewebigen Schicht verwachsen.
Zwischen den beiden serösen Blättern (viszeral und parietal*) jedoch ist ein haarfeiner, mit einem dünnen Flüssigkeitsfilm gefüllter Spaltraum, der mit etwa 10 ml seröser Flüssigkeit gefüllt ist. Dies erlaubt die Verschieblichkeit bei Herztätigkeit, ist also ein Gleitlager. Zugleich verhindert der derbe Herzbeutel mit den Kollagenfasern die Überdehnung des Myokards.
Und da das Herz tatsächlich wie in einem Beutel vor sich hin schlägt, wird dieser Bereich aus Epikard und Perikard auch Herzbeutel genannt. Der Spaltraum dazwischen heißt Perikardhöhle.
Warum ist es wichtig, die Anteile des Herzbeutels zu kennen? Nun, unglücklicherweise neigen alle diese Schichten zu Erkrankungen. Entzündungen in dem Bereich sind nicht selten und alles andere als ungefährlich, und Ihr solltet dann wissen, wo sich die Entzündung abspielt, was dabei passiert und warum das Herz Schwierigkeiten haben wird, seine Aufgabe zufriedenstellend zu erledigen.
Zum Thema
Herzensangelegenheiten [2]: Koronararterien, Herzzyklus
Herzensangelegenheiten [3]: Erregungsbildung & -leitung
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* Wie bei allen serösen Körperhöhlen bekleidet das viszerale Blatt das Organ, das parietale Blatt die Körperhöhlenwand.


