Gut bedeckt — die Epithelgewebe

Epithelien bedecken innere und äußere Körperoberflächen — sie sind also Deckgewebe. Was äußere Körperoberflächen sind, bedarf wohl keiner näheren Erklärung. Aber innere? Der Darm bespielsweise ist innen hohl, seine Schleimhautauskleidung also ein Epithel. Für die Bronchien, die Blutgefäße, die Harnblase und vieles mehr gilt das ebenso.

Ernährt werden Epithelien, die selbst keine Blutgefäße besitzen, vom  Bindegewebe darunter (der sog. Basalmembran), und zwar durch Diffusion. Da Deckgewebe nicht  nur schützt und abgrenzt und in manchen Fällen auch als Sinnesorgan dient (Netzhaut des Auges, Haut, Riechschleimhaut der Nase, Zunge), sondern auch Stoffaufnahme (Resorption) und -abgabe (Sekretion) zu liefern hat, wären Blutgefäße hier hinderlich.

Epithelien können, ihrer Zellform entsprechend,

  • platt,
  • kubisch (isoprismatisch) oder
  • zylindrisch (hochprismatisch) sein.

Die Schichtanzahl ist ebenfalls ein Klassifizierungsmerkmal:

  • einschichtig (alle Zellen haben Basalmembran-Kontakt),
  • mehrschichtig (nur die unterste Schicht hat Kontakt zur Basalmembran),
  • mehrreihig (alle Zellen haben Kontakt zur Basalmembran, aber nicht alle kommen bis zur Oberfläche).

Es gibt sie mit oder ohne Kinozilien (Flimmerhärchen), verhornt oder unverhornt, und viele haben durch Ein (Plicae)- und Ausstülpungen (Mikrovilli) eine Vergrößerung ihrer Oberfläche — immer dann, wenn es um Resoprtionsvorgänge geht.

Allen Deckgeweben ist gemeinsam, dass sie die Zellen dicht beieinander liegen und über viele Zellkontaktstellen verfügen. Tight junctions finden wir nahe der Oberfläche — hier soll der Zellverband wie aus einem Guss erscheinen und abgrenzen. Gap junctions hingegen bilden Verbindungstunnel, über die die Zellen in Verbindung stehen und Stoffe austauschen können. Desmosomen schließlich verleihen mechanische Stabilität und bestehen aus beidseits verdichteten Membranabschnitten mit zwischenliegender Kittsubstanz.

Das Drüsengewebe wird auch zum Epithelgewebe gerechnet. Aus Gründen der Übersichtlichkeit  ist es aber in einen extra Artikel ausgegliedert.

Welche Epithelien gibt es? Welche Aufgaben erfüllen sie?

Einschichtiges Plattenepithel glättet Oberflächen. Zu finden u.a. in Alveolen, Pleura, Peritoneum, Blutgefäßen. Flache Zellen erleichtern die Stoffdiffusion.

Mehrschichtiges Plattenepithel bietet Schutz (thermisch, mechanisch, chemisch). Das Hautepithel ist im Bereich der Epidermis verhornt, im Mund-Rachen-Speiseröhren reicht die unverhornte Variante  — die wenigsten von uns essen ihr Geschirr und Besteck mit. Auch die Augenbindehaut (Konjunktiva) und die Schleimhäute der Geschlechtsorgane beispielsweise sind unverhorntes Plattenepithel.

Mehrreihiges hochprismatisches Epithel als Auskleidung der Atemwege ist meist mit Flimmerepithel besetzt, das gerichtete Bewegungen und so den Sekret- und Fremdkörpertransport rachenwärts ermöglicht.

Einschichtiges hochprismatisches Epithel (Zylinderepithel) finden wir, wiederum mit Flimmerepithel-Besatz, in den kleinsten luftführenden Wegen, den Bronchien, aber auch (nut teilweise mit Flimmerhärchen besetzt) in der Schleimhaut des Uterus und des Eileiters.

Im Verdauungstrakt, vom Magen abwärts, gibt es ebenfalls einschichtiges hochprismatisches Epithel, welches dort Resorptionsaufgaben übernimmt; schließlich müssen die Nährstoffe, aber auch z.B. Medikamentenwirkstoffe, irgendwo in den Kreislauf gelangen.

Eine Sonderform des mehrschichtigen Epithels ist das Urothel, welches die harnleitenden Wege auskleidet und sich je nach Dehnung (Füllung) mehrreihig bis mehrschichtig zeigt. Auch die Höhe ändert sich entsprechend und wird bei Füllung eher flach. Deshalb nennt man es auch Übergangsepithel. Die Deckschicht hat eine Art Beschichtung, die Crustae, damit das Gewebe vor dem aggressiven Harrn geschützt ist.

Einschichtig isoprismatisches Epithel ist typisch für Drüsenausführungsgängemehrschichtiges hochprismatisches Epithel beherbergt Drüsen und dient damit der Sekretion. (Drüsen werden hier besprochen.)

Eingedenk der Aufgaben kann gesagt werden, dass es

  • Schutzepitelien,
  • Resorptionsepithelien,
  • Drüsenepithelien sowie
  • transportierende Epithelien gibt.

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